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IMPFMÜDE ÄRZTE & SCHWESTERN

Die nächste Grippesaison steht vor der Tür und das Robert-Koch-Institut (RKI) und die Gesundheitsämter werden jetzt zum Herbst wie in jedem Jahr gebetsmühlenartig die Bevölkerung aufrufen, zur Grippeimpfung gegen Influenzaviren zu gehen. Laut Empfehlung des RKI sollten sich besonders folgende Personen impfen lassen (1):

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Influenzaimpfung für alle Personen ab 60 Jahre, für alle Schwangeren, die während der Influenzasaison schwanger sind (siehe “Warum wird die saisonale Influenzaimpfung auch für Schwangere empfohlen?“), für Personen mit erhöhter gesundheitlicher Gefährdung infolge eines Grundleidens (wie z.B. chronische Krankheiten der Atmungsorgane, Herz- oder Kreislaufkrankheiten, Leber- oder Nierenkrankheiten, Diabetes oder andere Stoffwechselkrankheiten, chronische neurologische Grundkrankheiten wie z. B. Multiple Sklerose mit durch Infektionen getriggerten Schüben, angeborene oder erworbene Immundefizienz oder HIV) sowie für Bewohner von Alters- oder Pflegeheimen. Außerdem sollten Personen mit erhöhter Gefährdung (z.B. medizinisches Personal) und Personen, die als mögliche Infektionsquelle für von ihnen betreute Risikopersonen fungieren können, geimpft werden. Ebenso geimpft werden sollten Personen mit direktem Kontakt zu Geflügel und Wildvögeln (die Impfung schützt zwar nicht vor der Vogelgrippe, aber es werden damit problematische Doppelinfektionen vermieden).
Stand: 27.08.2013

Doch gerade die Berufsgruppe der Ärzte und Schwestern, die eigentlich am besten wissen müsste, wie sinnvoll eine Impfung gegen Grippe ist, und deren Berufsstand in der Impfempfehlung des RKI („…z.B. medizinisches Personal…“) klar benannt wird, lehnt diese Impfung in der Mehrheit ab, wie jüngst das Gesundheitsamt Kassel beklagt (2).

Dabei nehmen die Behörden in ihren Formulierungen offenbar keine Hand mehr vor den Mund und unterstellen z.B. den sich einer Impfung verweigernden Krankenschwestern, dass sie ihren Patienten möglicherweise den Tod bringen würden, wenn sie sich nicht impfen lassen würden.

Der Mediziner Martin Walter-Domes des Gesundheitsamtes Kassel findet es daher völlig irrational, dass Ärzte die Influenzaimpfung mehrheitlich ablehnen. Man hätte einfach keine Erklärung dafür, warum sich gerade Ärzte, Schwestern und Altenpfleger nicht impfen lassen würden.

Vielleicht können wir hier vom Team „Deutschland-verbrennt-den-Impfpass“ in der Erklärung dieser Umstände ein wenig nachhelfen:

Bei 5.000 bis 15.000 Menschen, die in Deutschland jedes Jahr an der echten Grippe durch Influenzaviren sterben sollen – wie Herr Walter-Domes im zitierten Artikel (2) postuliert – wäre dieses Verhalten des medizinischen Personals natürlich auch aus unserer Sicht unverantwortlich. Wie gesagt, wäre. Wir fragen uns an dieser Stelle allerdings, ob diese großen Zahlen, die auch das RKI in zurückliegenden Jahren immer mal kolportierte, für die Bundesrepublik Deutschland tatsächlich stimmen. Denn genaue Zahlen der durch die echte Influenza ums Leben kommenden Personen gibt es anscheinend noch nicht einmal für eine mittelgroße Stadt wie Kassel. Woher will Herr Walter-Domes dann aber so genau wissen, wie viele Menschen in ganz Deutschland jedes Jahr durch Influenzaviren ihr Leben verlieren?

Dazu lohnt sich ein Blick in die aktuellen Daten des Statistischen Bundesamtes Wiesbaden, die auf dessen Homepage in der Gesundheitsberichterstattung des Bundes jedem Menschen öffentlich zugängig sind (3).

Dort werden in der jüngsten Statistik von 2012 in der Tat 18.889 Fälle benannt, die an Grippe und Pneumonie (Lungenentzündung) verstorben sind. Die Zahlen in den Jahren zuvor sind in ihrer Höhe ähnlich. Allerdings handelt es sich bei den Zahlen auch von 2012 keineswegs um die genaue Anzahl der Fälle, bei denen per Labordiagnose Influenzaviren, gegen die sich die Grippeimpfung richtet, nachgewiesen wurden.

Um die Zahlen also richtig einordnen zu können, sollte man folgendes wissen:
In diese Statistik fließen tatsächlich alle Fälle ein, bei denen vor dem Tod des Patienten grippe- oder grippeähnliche Symptome festgestellt wurden. Da die Lungenentzündung eine der häufigsten nosokomialen, also durch Krankenhauskeime verursachten Todesursachen in unseren Krankenhäusern gerade bei älteren Menschen mit einem geschwächten Immunsystem darstellt, könnte man hier aber nur dann von einer Todesursache durch Influenzaviren sprechen, wenn man diese Viren auch erfolgreich nachgewiesen und die dadurch ausgelöste Grippe eindeutig zum Tode geführt hätte.

Dem würde vermutlich kein Experte des RKI widersprechen. Doch eine Lungenentzündung kann natürlich auch durch Bakterien wie Pneumokokken oder Haemophiles Influenzae B verursacht werden, gegen die eine Grippeimpfung definitiv machtlos ist. Das wissen natürlich auch das Gesundheitsamt Kassel und Herr Walter-Domes.

Schaut man jetzt wieder in die besagte Sterbetabelle des Statistischen Bundesamtes, findet man dort jedoch nur 18 (6+6+2+4) laborbestätigte Fälle von 18.889, bei denen tatsächlich Influenzaviren nachgewiesen wurden.

Nochmal zum Mitschreiben: Von 18.889 erfassten Todesfällen durch Grippe und Pneumonie konnten im Jahr 2012 nur in 18 Fällen Influenzaviren nachgewiesen werden. Bei den restlichen 18.871 Fällen stütz man sich also auf eine Vermutung, dass eventuell Influenzaviren im Spiel gewesen sein könnten. Und ob die 18 nachgewiesenen Influenzfälle dann auch tatsächlich die vireninduzierte Todesursache war, geht aus der Statistik gar nicht hervor.

Da diese Zahlen in den ganzen Jahren vor 2012 ähnlich aussehen (siehe Tabelle unter 3) und die Zahlen der nachgewiesenen Infektionen durch Influenzaviren ähnlich niedrig liegen, kann es sich bei den postulierten Grippetoten von Herrn Walter-Domes, die auch das RKI mal in einem Spitzenjahr auf über 30.000 bezifferte, nur um eine äußerst grobe Schätzung handeln, deren Seriosität an dieser Stelle deutlich in Zweifel zu ziehen ist.

Nimmt man jetzt noch die jüngsten Erkenntnisse über die tatsächliche Wirksamkeit der Grippeimpfung mit ins Boot, wie es z.B. auch die Universität von Minnesota in einer Studie veröffentlichte (4), in der einmal mehr dargestellt wurde, dass die Impfung gegen Influenza für die besonders umworbenen „Risikogruppen“ (Kinder und Senioren) bei weitem nicht den behaupteten Nutzen bringt, darf es uns sicher nicht verwundern, warum gerade Ärzte, Pfleger und Schwestern, die berufsbedingt am meisten damit zu tun haben, diese Impfung für sich persönlich ablehnen.

Wenn also die Aussagen der Gesundheitsbehörden über das Risiko der Influenzaübertragung des medizinischen Personals auf Patienten mit dem damit verbundenen Sterberisiko tatsächlich stimmen würden, warum gibt es dann nicht schon längst eine Impfpflicht für alle Angehörigen der medizinischen Berufssparten? Diese Frage müsste sich Herr Walter-Domes vielleicht auch mal beantworten.

Könnte es möglicherweise daran liegen, dass man schon in der Ärzteschaft selbst kein so ausgeprägtes Vertrauen in die Zuverlässigkeit und Sicherheit der Grippe-Impfung hat, wie man es uns Durchschnittsbürgern ständig abverlangt?

Was Ärzten und Schwestern zudem kaum verborgen bleiben dürfte, sind die z.T. heftigen Nebenwirkungen der verschiedenen Influenza-Impfstoffe (5) – „Deutschland-verbrennt den-Impfpass“ berichtete bereits darüber – die anschließend von eben diesen Ärzten und Schwestern behandelt werden müssen. Hier sitzen die Angehörigen der medizinischen Berufsgruppen mit ihren Beobachtungen sozusagen in der ersten Reihe.

Setzen wir also einmal voraus, dass das gesamte medizinische Personal in Deutschland nicht blöd und sowohl über die Grippe selbst als auch über Risiken und Wirksamkeit der Grippeimpfung relativ gut informiert ist, kann es für deren überwiegend ablehnende Haltung gegenüber dieser Impfung – nur 22%(!) des medizinischen Personals lassen sich jedes Jahr gegen Grippe impfen (6) – daher nur eine Erklärung geben. Und die hat mit nichten etwas mit einer „Impfmüdigkeit“ dieser Berufsgruppe zu tun, die ja quasi direkt an der Quelle der Impfstoffe sitzt, sondern viel mehr mit der aus ihrer Erfahrung gewonnenen Überzeugung, dass eine Impfung gegen Influenza einfach nicht hält, was sie verspricht.

Ist also die jährliche Grippeimpfung letztlich nur ein riesen Geschäft mit der Angst der Menschen vor den bösen Viren (siehe dazu auch der kürzlich erschienene Artikel „Das Märchen vom Virengespenst Teil 1 und 2) (7)? Es spricht ganz offensichtlich einiges dafür.

Das Paradoxum, warum Ärzte unter diesen Vorzeichen trotzdem ihre Patienten massenhaft gegen Influenza impfen, ist nur dadurch zu erklären, dass der auf die Ärzteschaft ausgeübte Druck durch Behörden und Industrie und die damit verbundenen, wirtschaftlichen Faktoren derart groß sind, dass dem offenbar nur die wenigsten Mediziner mit entsprechend starkem Rückgrat wiederstehen können.

Damit sind Ärzte, Schwestern, Pfleger, Hebammen und die Mehrzahl der in den medizinischen Bereichen arbeitenden Menschen in Wahrheit selbst die größten Impfkritiker, denen an dieser Stelle unser Respekt gelten sollte. Schade, dass es nur die wenigsten öffentlich zugeben können oder zugeben dürfen, wenn sie nicht gerade Kopf und Kragen riskieren wollen.

Nicht nur deshalb wird unsere Redaktion weiterhin verstärkt an diesem Thema dran bleiben, damit unsere Leser eine weitere Entscheidungshilfe für die jährlich angepriesene Grippeimpfung erhalten.

Trauen Sie daher weniger Behörden und Werbesprüchen der Industrie, sondern fragen Sie bei Ihrem nächsten Arztbesuch doch einfach mal Ihren Arzt, warum er sich mit hoher Wahrscheinlichkeit selbst nicht gegen Grippe impfen lässt. Die Antwort wäre sicher spannend und aufschlussreich.

Ihr „Deutschland-verbrennt-den-Impfpass“ – Team.

 

Quellen:

(1)
http://www.rki.de/SharedDocs/FAQ/Impfen/Influenza/faq_ges.html#f2437364
(2)
http://www.hna.de/lokales/kassel/grippe-aerzte-schwestern-raum-kassel-impfmuede-3870044.html
(3)
http://www.gbe-bund.de/
(4)
http://www.kare11.com/story/local/2012/10/15/3753147/
(5)
http://deutschland-verbrennt-den-impfpass.de/de/blog/impfungen/die_grippesaison_naht/2014-08-12/72/
(6)
http://edoc.rki.de/series/gbe-kompakt/sonstige/rejAENMIytfh/PDF/25x5bcoPN375M.pdf
(7)
https://www.facebook.com/DeutschlandVerbrenntDenImpfpass/photos/a.301536899952020.59398.298619956910381/571358792969828/?type=1&theater